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Heimat - Werkreihe 'Oma Ilse'

Julia Dolls Bilder sind erstarrte Zeit jenseits des Kontinuums, Suchbilder zum Entdecken und Enträtseln, Fenster und Grenzlinien, an denen Kontrast, Tiefe und Energie entstehen, manchmal Beben, die neue Welten hervorbringen. 

Ihre Bilder sind poetische Kompositionen der ewigen Frage: In wieweit baut die Kunst Wahrnehmungsmuster des Betrachters um, lenkt durch das Setzen von frames, modifiziert kausale Koordinatensysteme und moralische Architekturen? 

Durch Fragmentierungen, ein Changieren zwischen Gegenständlichem und Gegenstandslosem, freies Zitieren aus dem visuellen Katalog der Kunstgeschichte provoziert Julia Doll intuitive Assoziationsketten. Malerische Strukturen, amorphe Gebilde, rhythmisch frei bewegte Linien bilden Gegenpole zu berechenbaren Bildstellen. Auf der Suche nach Halt wird das Gesehene dechiffriert und eingeordnet, strukturiert, ergänzt, aber entzieht sich letztlich einer eindeutigen Interpretation, dient als Platzhalter für innere Bilder. 

Selektion, Salienz, tektonische Schichtungen versetzen in einen Prozess aktiver Sinnkonstruktion. Splitter, kubistische Multiperspektivität, einzelne Teile aufeinander zufliegen lassen als 3D-Puzzle - das überfordert wie die Quantendimensionen der Relativität, aber schmeichelt der Lust an intellektuellen Freiübungen. Diese spielerische Komplexität verführt zum kokreativen Akt, synaptische Funken werden geschlagen, der Betrachter wird selbst zum Schöpfer neuer Realitäten - und dies ohne den Druck des Utilitarismus: Was bringt es mir? Was habe ich davon? Wie kann ich das verwenden? 

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