Systemische Aufstellungen Zwischenhalt
Systemische Familienaufstellung
Werkbeschreibung
Die Arbeit zeigt eine Mobile-Konstellation aus bemalten Seidentüchern, die an einem Gerüst aus Metallstühlen hängen.
Zwischen der kalten industriellen Struktur und dem fließenden, wärmenden Material entsteht ein fragiles Beziehungsgefüge. Die Anordnung evoziert Assoziationen an Familienaufstellungen„ seinen Platz im System finden“, „zwischen den Stühlen stehen“ an Rollenerwartungen und Vernetzungen, an leise schwingende Ordnungen zwischen Zugehörigkeit im Cocooning und Befreiung aus einem Korsett der Enge, zwischen Gehaltenwerden in Intimität und Emanzipation aus zwanghaften Herrschaftsstrukturen. Care als Spannungsfeld. Ein Pendeln also zwischen Bedürfnissen des Gegenüber und von sich selbst, zwischen individuellen und gesellschaftlichen Erwartungen. Ein Halten und Gehaltenwerden, das nie gleich verteilt ist. Letztlich ein Sinnbild des Geworfenseins des Menschen in der Natur: frei-schwebend und doch ab-hängig.
Die Malereien zeigen Mutter-Kind-Szenen zwischen sakraler Bildtradition und moderner Überforderung. Care als Teil von Rollenmustern und eines ungleich organisierten Systems, in dem Verantwortung für sich und andere, Nähe und Abgrenzung fortlaufend neu verhandelt werden - im Wissen, dass jede Kosten- Nutzen-Analyse das Gegenteil von echter Bindung, von Liebe ist.
Zwischenhalt
Werkbeschreibung
Die Zeichnungen der beiden Triptychen Zwischenhalt auf jeweils zweifarbigen Papierbögen verstehen Care als gesellschaftliche wie individuelle Erfahrung. Schon die Gespaltenheit des Hintergrunds symbolisiert eine Grundspannung zwischen den Polen Geben und Nehmen, Selbstaufgabe und Selbstverwirklichung, Hingabe und Abgrenzung, Objekt sein und Subjekt sein. Eine Hand an einem Körperteil kann Sinnbild sein für Halt geben oder für Distanz schaffen, Anziehung und Abstoßung. Korsettstangen geben Sicherheit, aber schränken Freiheit und Selbstentfaltung ein. Ausgehend vom Hin und Her der wechselnden Urzustände zwischen der symbiotischen Selbstauflösung und der Verteidigung des Selbst entstehen ambivalente Bildräume des Dazwischen: zwischen Nähe und Distanz, Erholung und Erschöpfung, Halten und Entgleiten. Im Medium Pastell wird diese Fragilität unmittelbar erfahrbar. Die kreidige Substanz bleibt offen, nicht fixiert, reagiert auf jede Berührung. Schichten überlagern sich, Linien verwischen, Formen bleiben vorläufig. Zeichnen wird so selbst zur Care-Praxis – ein permanentes Aushandeln von Stabilität und Verflüchtigung, Grenzziehung und Linienöffnung, Gewinn und Verlust. Und vielleicht ist Care genau das: etwas, das schwingend trägt, im Tragen immer wieder ins Wanken gerät. „Fest halten“ in seiner dichotomischen Doppelbedeutung von Gefängnis und Geborgenheit: Zwischenhalt. Ich selbst erlebe diese inneren Konfliktlinien im privaten Familienverbund, in den Frames
gesellschaftlicher Rollenerwartungen, im ökonomischen Arbeitszusammenhang. Nach der Selbstbefreiung aus 20 Ehejahren mit einem narzisstischen Egoisten empfinde ich dieses Zerrissensein als Künstlerin, Frau und als Mutter von drei plus eins Kindern (Patchwork). Nicht zuletzt der Backlash von Paleo-Rollenmustern der „Tradwifes“ oder des Neo-Machismus in der „Menosphere“ macht die Verteidigung von Burden-Sharing in der Care-Arbeit, von Emanzipation und Gleichstellung hoch aktuell.


























