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Aus dem Garten

AUS DEM GARTEN (2025/ 2026)

 

Diese Serie ist im Garten entstanden – nicht als Abbild der Natur, sondern im gemeinsamen, symbiotischen Vollzug mit ihr. Unter dem Leitgedanken „we are nature – nature is us“ begreift Julia Doll alles Lebendige als eins. Die Krankheit unserer Zivilisation ist es, die Natur als ein Gegenüber, als ein Objekt zu sehen. Und so versteht die Künstlerin auch das Zeichnen als einen Prozess des Ko-Formens: Die Künstlerin formt das Bild und das Bild formt die Künstlerin - wie die Umwelt uns alle formt. Was sichtbar wird, ist nicht nur Ausdruck von innen nach außen, sondern Veränderung von außen nach innen – Steigerung der Wahrnehmung und der Künstlerin selbst.

Die Arbeiten bewegen sich im Wechselspiel zwischen dem, was das Bild sagt, und dem, was gesagt werden will. In diesem Spannungsraum entsteht ein offener Dialog: zwischen Subjekt und Welt, zwischen Intention und Emergenz. Indem Julia Doll zeichnet, verschiebt sie ihre eigene Position – nicht nur der tanzenden Hand – und mit ihr den Ausdruck. Welt und Subjekt sind nicht getrennt, sondern bilden sich gegenseitig.

Die verwendeten Materialien – Pastellkreide, Kohle, Buntstift sowie Rosenblätter, Löwenzahn und andere Blüten aus dem Garten – tragen diese Beziehung in sich. Sie sind nicht nur Mittel, sondern Mitwirkende. Spuren von Pflanzensäften, Pigmenten und zerfallenden Blättern erzählen von Zeitlichkeit und Vergänglichkeit. Auch die Schatten der Pflanzen, die während des Zeichnens auf das Papier fielen, werden Teil der Arbeiten: flüchtige Einschreibungen von Licht und Moment.

Zeit ist ein zentrales Motiv dieser Serie. Zeichnen wird hier zu einer Praxis des Ankommens – weg vom rein konstellativen Vollzug nach Regeln der Ratio hin zu einem situativen Handeln im Hier und Jetzt. In einer von Beschleunigung geprägten Welt wirkt das künstlerische Schaffen als Gegenkraft: als Verlangsamung, als Öffnung der Aufmerksamkeit in einen Weitwinkelmodus.

Durchlässigkeit wird zur Haltung. Nicht das Abgrenzen, sondern das Verbundensein steht im Zentrum. Die Serie fragt: Wie reagiert die Welt auf uns? Und wie reagieren wir auf die Welt?

„Aus dem Garten“ ist ein Versuch, die Abkapselung von allem Lebendigen und letztlich von uns selbst zu lösen – und sichtbar zu machen, dass wir nicht außerhalb der Natur stehen, sondern immer schon Teil von ihr sind. Kunst als Symbiose.

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